10. Mai 2010

Braucht die Piratenpartei einen neuen Namen?

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist vorüber, alle Parteien haben eine Nacht über das Ergebnis geschlafen und beginnen nun mit der Aufarbeitung. Die erreichten 1,5% der Piraten sind selbstverständlich kein Grund zum Jubeln – aber vor dem Hintergrund, dass derzeit Griechenland und die Euro-Stabilität die vorherrschenden Themen in den Köpfen der Nation sind, ist das nachzuvollziehen. Wenn es den Bürgern an die finanzielle Sicherheit geht, sind Inhalte wie Datenschutz, Freiheit und Bildung Nebensache. Aber auch die Tatsache, dass Medien wenig über uns berichteten, Pressemitteilungen ignorierten, spielt eine Rolle.

Reaktionen auf das Wahlergebnis geistern selbstverständlich nun durch alle piratigen Blogs und Twitter-Accounts, von zu wenig Präsenz im Wahlkampf ist die Rede, von übereilten Programmerweiterungen – und nun flammt auch wieder die Diskussion um den Parteinamen wieder auf. Im Carta-Blog fordert Wolfgang Michal eine Umbenennung in “Digitale Demokratische Partei” (DDP). Dieses Thema verspricht, wieder eine langwierige Diskussion nach sich zu ziehen, denn ob der polarisierenden Wirkung des Namens “Piratenpartei” ist sich wohl so ziemlich jeder bewusst. Ich persönlich benötigte auch etwas Zeit, mich mit dieser exotischen Bezeichnung anfreunden zu können – weniger, weil mir der Name nicht gefällt, sondern eher, weil ich mir als Marketingmensch der Außenwirkung bewusst bin. Für junge Leute mag “Pirat” nach Freiheit klingen, nach Aufbruch, Rebellentum und Antikonformismus. All diejenigen, die Filme wie “Fluch der Karibik” lieben oder “Monkey Island” durchgespielt haben, sehen in dem Begriff etwas Positives, den Drang nach Unabhängigkeit und Abenteuer.
Die Kehrseite der Medaille sind jedoch zumeist die älteren Mitbürger, jene potentiellen Wähler, die wir – im Gegensatz zu den Jüngeren – noch nicht durch unsere Aktionen an uns binden können. Piraten sind für sie Gesetzlose, Verbrecher, Gewalttäter. Das Bild der brutalen Schiffsentführer vor den Küsten Afrikas – alle paar Wochen in den Nachrichten präsent – vor Augen, schreckt sie der Name ab, bevor sie unser Programm und unsere Ziele kennen. Wenige Tage vor der NRW-Wahl geisterte solch ein Piratenüberfall übrigens wieder durch die Schlagzeilen. Doch gerade auch die älteren Wählerschichten müssen wir miterreichen!

Sollen wir dafür nun unseren Namen ändern? Schwierige Frage, auch für mich. Noch vor einem Jahr, als die Partei noch “klein” war, hätte ich mich sofort für “Ja” ausgesprochen. Doch mittlerweile ist einiges anders – Piratenparteien gründeten sich in vielen Ländern der Erde, ebenso die Pirate Party International. Im Zuge der internationalen Zugehörigkeit ist es sinnvoll, auch namentlich in dem Verband zu bleiben.

Dennoch bleibt ein gewisses Handicap durch unseren Namen, das müssen auch die größten Piraten-Fans zugeben. Wie können wir dies ausgleichen? Hier sind vor allem diejenigen in der Pflicht, die uns bereits in Parlamenten vertreten – sei es Christian Engström der schwedischen Schwesterpartei im EU-Parlament, oder auch die Stadträte in Aachen und Münster. Sie müssen beweisen, dass Piraten konstruktiv mitarbeiten können, piratische Politik medienwirksam nach außen tragen. Mithelfen, die Konnotation der Piratenpartei ins Positive zu wandeln, können wir aber auch alle. Auf Twitter bin ich auf die Reaktion “Weniger flamen – mehr machen!” gestoßen. Volle Zustimmung! Wahlveranstaltungen anderer Parteien stören, wie noch bei der vergangenen Bundestagswahl geschehen, sollte nicht mehr geschehen. Dies unterstreicht bei vielen Bürgern nur das ohnehin schon vorhandene Image der nicht ernstzunehmenden Spaßpartei. Destruktivismus steht uns ohnehin nicht gut zu Gesicht. Viel mehr sollten wir uns unserer Kreativität bewusst sein, die wir in unseren Reihen definitiv haben – und daraus konstruktive Sacharbeit basteln! Im Übrigen meiner Meinung nach auch eine sinnvolle Erweiterung unseres Programms über die Kernthemen hinaus – nach piratigen Grundsätzen selbstverständlich. Damit können wir mehr Menschen ansprechen, besser argumentieren, uns interessanter machen – und den Namen Piratenpartei für eine neue, transparentere Politik positionieren. Genügend interessierte und engagierte Mitstreiter haben wir dafür. Lasst es uns angehen!

24. Januar 2010

Verhindertes Comeback einer Web-Legende

Die Cyberwelt ist vernetzt im Jahr 2010. Unmengen von Angeboten, die sich heute “Social Communities” nennen, schwirren durch das Internet. Angefangen bei Facebook über Kwick! und Lokalisten bis zu den VZ’s. Doch sie alle haben einen großen Urahn, eine Community, die Ende der 1990er bis 2002 die Welt des Internets revolutionierte. Der sogenannte Cycosmos ließ damals schon erahnen, was Jahre später als Web 2.0 getarnt Einzug halten sollte.

Entsprechend groß war der Hype seinerzeit. Mit anpassbaren Avataren, mehreren Chatkanälen, der Möglichkeit, andere User nach gleichen Interessen zu suchen und futuristischem Design zog Cycosmos die Benutzer in Scharen an sich. Später expandierte es sogar nach Großbritannien und brachte mit E-Cyas einen der ersten virtuellen Popsänger heraus. Man könnte meine, die perfekte Lizenz zum Geld drucken für die Betreiber.

Doch trotz eines Riesen-Marketings rechnete sich Cycosmos für die Betreiberfirma id-media nie wirklich, da verpasst wurde, die Möglichkeiten der Plattform ihrerseits für Werbekunden zu vermarkten. Und so kam urplötzlich für alle User das Aus innerhalb eines halben Jahres. Ende 2002 war Cycosmos Geschichte und id-media kündigte an, die gewonnenen Erfahrungen in einer neuen Business-Plattform verwerten zu wollen. Von welcher man aber irgendwie nie groß etwas hörte.

Und dann kam es wie ein Paukenschlag. 2007 erschien unter der URL cycosmos.com der Hinweis “Die Legende lebt!”. In einem knappen Satz wurde angekündigt, dass die Vorreiter-Community wohl kurz vor einem Comeback stehen würde. Und für einen Newsletter konnte man sich eintragen, um auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Inzwischen ist 2010, drei Jahre später und die Ankündigungsseite steht noch genau so im Netz. Ein Newsletter kam nie, geschweige denn der lang erwartete Relaunch. Dabei wäre der Markt sicher durchaus vorhanden, trotz der heutigen Konkurrenz. Denn Cycosmos ist bei vielen noch bekannt im Hinterkopf, die angekündigte Rückkehr hat daher wenig später schon die entsprechenden Wellen der Begeisterung losgetreten. Diese sind jedoch sehr schnell wieder abgeflacht, als durch die Blogs und Foren das Gerücht die Runde machte, id-media könne es sich finanziell gar nicht mehr leisten, Cycosmos wieder auf die Beine zu stellen. Die tatsächlichen Gründe, die dagegen sprechen, wurden offiziell nie bekannt, aber es muss sie wohl geben. Schade eigentlich – ich hätte den “Cyco” gerne wieder gesehen… und vielleicht auch den ein oder anderen Kontakt wiedergefunden, der sich nach dem plötzlichen Aus in den Weiten des Internets verloren hat.

23. Oktober 2009

Zum Thema Webdomains…

Seit heute gestattet die Denic auch URL’s mit weniger als drei Buchstaben vor dem .de, ebenfalls solche, die nur aus Zahlen bestehen. Die Regelung, welche dies bisher ausschloß, bestand seit 1993 und wurde mit technischen Problemen begründet. Einzig die Deutsche Bahn und drei weitere Unternehmen besaßen 2-Zeichen-URL’s, da diese bereits vor 1993 registriert wurden.

Dies jedoch nur am Rande, denn der WDR veröffentlicht in einem Bericht zu dem Thema folgende Passage:

Um sich eine bestimmte Domain zu sichern, müssen sich Interessenten sputen. Denn wer sich beim Denic seine Wunschadresse als Erster reservieren lässt, bekommt sie auch. Allerdings nur, wenn die Regeln des Markenrechts gewahrt bleiben. Wer sich zum Beispiel die Adresse bp.de sichert, wird sie wohl wieder abgeben müssen: an den gleichnamigen Energiekonzern.

Hier zeigt sich wieder einmal der große Schwachpunkt des deutschen Internet- und Markenrechts. Wie schon vor Jahren beim Shell-Prozess, werden Großfirmen und Markeninhaber immer noch bevorzugt. Nehmen wir einmal an, es gäbe einen Menschen namens Bernd Paul, der sich seine Initialen BP als Webseiten-Adresse registrieren ließe… dieser müsste die Domain auf Antrag des Erdölkonzerns unverzüglich an diesen abgeben – und würde im Regelfall sogar noch auf Schadensersatz verklagt! Dabei besitzen große Unternehmen wie dieses i.d.R. eigene Marketing- und Kommunikationsabteilungen, deren Aufgabe es sein sollte, Domains für das Unternehmen rechtzeitig zu reservieren. Jedes Unternehmen, das dies heute verpennt, ist meiner Ansicht nach selbst schuld und sollte keinerlei Recht haben, diese Domain einzuklagen! Schon gar nicht, wenn ein direkter Bezug zwischen URL und Erstbesitzer herzustellen ist. Bei jedem anderen gilt, wer zuerst registriert, erhält die Domain. Bei dieser Regelung sollte es auch für Firmen – trotz Lobby – keine Ausnahme geben.

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