26. Februar 2012

Die Gotye-Lawine

Das Jahr 2012 startete mit einem Nummer 1 Hit in den deutschen Charts. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, das ist schließlich jedes Jahr so. Allerdings war es diesmal der Australier Gotye, dem mit “Somebody That I Used To Know” diese Ehre zuteil wurde. Im dazugehörigen Video stand dann ein etwas fertig wirkender Sänger nackt vor einer Wand aus Papier… und ließ sich bemalen. Das gleiche Schicksal ereilte dann auch seine Gesangspartnerin Kimbra, die im zweiten Teil des Videos auftaucht. Nun sind auch seltsam anmutende Music-Clips nichts Seltsames – aber sowohl Song als auch Video erfuhren ein interessantes Schicksal: Sie wurden gecovert und parodiert, dass es eine wahre Freude ist. Faszinierenderweise wurde dann noch ein Cover selbst zur Parodievorlage: In der Version von Walk Off The Earth spielen 5 Leute den Song zeitgleich auf einer einzigen Gitarre. Über die sozialen Netzwerke verteilten sich die Clips in rasender Geschwindigkeit.

Die besten davon hier mal gesammelt (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

 

Das Original:


 

Die deutsche Parodie:

 

Das Gitarren-Cover

Die US-Parodie vom Cover:

 

Die absolut schlechte deutsche Parodie vom Cover:


 

05. August 2010

Als ein Blumenkübel um die Welt ging

Als ich mich heute nach dem Mittagessen wieder an meinen Schreibtisch setzte, wusste ich noch nichts von der schreckenserregenden Meldung, die innerhalb meiner kurzen Abwesenheit durch Twitter geisterte: In Neuenkirchen, einem kleinen Ort in der Nähe von Münster wurde ein Blumenkübel umgeworfen! Die Münstersche Zeitung berichtete in einem Online-Artikel darüber. Über den Account eines Redakteurs der Zeitung, der wohl selbst nicht glauben konnte, dass so ein Ereignis à la “In China fällt ein Sack Reis um” eine Meldung wert ist, gelangte der Artikel in Twitter. Und was sich dann lostrat, schockierte die Welt: In Windeseile wurde die Nachricht des armen Kübels weiterverbreitet, Spekulationen angestellt, fiktive Nachrichten zum Kübel kreiert. Binnen weniger Stunden avancierte der Hashtag #blumenkübel zum Star des Tages und schaffte es sogar bis auf Platz vier der weltweiden Twitter – Topthemen.

Doch nicht nur kreative “Allerwelts-Twitterer” bewiesen Humor… das ZDF kündigte augenzwinkernd eine Sondersendung zum Blumenkübel an und wollte Ermittler Matula (Ein Fall für zwei) zur Aufklärung schicken. Die Sparkassen-Versicherung machte darauf aufmerksam, dass ihre Hausratsversicherung auch Blumenkübel abdecke.

Und der Rest der Welt? Irgendwann kamen aus den USA die ersten verstörten Tweets, was es denn mit dem “flower pot” auf sich hätte. Verständnis- und Ratlosigkeit machte sich breit – “Crazy Germans!” schrieb ein US-Twitterer.

Allerdings zeigt sich durch diese Sache auch mal wieder, was Twitter erreichen kann, wie schnell sich Nachrichten über dieses Medium verbreiten können.

Die Münstersche Zeitung selbst erfuhr jedoch erst am späten Nachmittag von dem entstandenen Hype und berichtete darüber… zusammen übrigens mit der Nachricht, dass durch die entstandene mediale Aufmerksamkeit ein Hersteller von Blumentöpfen Ersatz gestiftet hätte. Wenn das mal kein schönes Ende für einen netten Gag auf Twitter ist, der mir persönlich einen sehr lustigen Nachmittag beschert hat…

Die besten “Blumenkübel-Tweets”

- Apple hat bereits eine Schutzhülle für #Blumenkübel angeboten: Der iMer ist für 4,99 Euro im Blumenhandel erhältlich.

- Weiter tritt Blumenerde an der Unfallstelle aus. Hunderte Senioren gefährdet. Erste Versuche das Leck einzudämmen gescheitert #blumenkübel

- zu Guttenberg: Deutschlands #Blumenkübel werden auch am Hindukusch verteidigt

- Polizei und Stadt schieben sich gegenseitig Schuld zu. #Blumenkübel Sicherheitskonzept war nicht ausreichend.

- Angela Merkel unterbricht ihren Urlaub und reist zur Unglücksstelle. #blumenkübel

- Piratenpartei gegen #Blumenkübel Überwachung. Freiheit der Pflanze wichtiger als Sicherheit des Kübels.

- BP hat weder Top-Kill noch Bottom-Kill am #Blumenkübel angewendet

- Der King of Flowers ist tot. Zehntausende trauernde #Blumenkübel Fans pilgern zur Antonius Ranch.

- Microsoft: Hatte #Blumenkübel Sicherheitslücken?

- US-Heimatschutz-Ministerium bestätigt: Haben Überweisungsdaten aller #Blumenkübel -Käufer via SWIFT angefordert und werten sie nun aus.

- Heute Abend soll es um 20:15 einen Brennpunkt in der #ARD zum #Blumenkübel geben.

- Neuenkirchen: SEK befreit 35 #Blumenkübel aus Baumarkt. Polizeisprecher: “Unmenschliche Unterbringung”

Der kaputte Blumenkübel (Quelle: Münstersche Zeitung)

Der kaputte Blumenkübel (Quelle: Münstersche Zeitung)

08. Juli 2010

Die erste Idee des Sommerlochs

Die Temperaturen steigen, das deutsche Parlament freut sich auf die Sommerpause… doch, um den Medien das entstehende Sommerloch zu stopfen hat sich wieder einmal jemand etwas einfallen lassen. An prominenter Stelle vermeldete Pro7-Newstime den Vorschlag eines Hinterbänklers der Union: Zur Vermeidung künftiger auswuchernder Koalitionsstreitigkeiten, die in verbalen Entgleisungen à la “Wildsau” und “Gurkentruppe” der letzten Wochen enden, solle eine “Beleidigungsstrafe” eingeführt werden. Diese könne sich, je nach Härte der Verunglimpfung, zwischen einer simplen Rüge und einer Geldstrafe bewegen.

Wirft man einen Blick in die Vergangenheit des Bundestages, so stellt man fest, dass jedoch schon seit Jahren immer mal wieder mehr oder weniger eloquente Worte der Kränkung fielen. Ganz brachial beschimpfte Werner Marx (CDU/CSU) in den 1970er-Jahren  z.B. den damaligen Abgeordneten Willy Brandt als “Dreckschleuder vom Dienst”. Bereits im Jahr 1956 titulierte seinerseits ein SPD-Abgeordneter den CDU-Politiker Georg Kliesing rhetorisch einfallsreich als “geistiges Eintopfgericht”. Von der historischen “A***loch”-Äußerung Joschka Fischers 1984 ganz zu schweigen.

Und dies sind nur Beispiele von Diffamierungen, die publik wurden – doch jede von ihnen rein spekulativ schon eine ordentliche Geldbuße nach neuem System 2010 wert… was der Staat mit dem Geld alles anstellen könnte. Herr Schäuble bräuchte nur mal eben ein bisschen zu provozieren (was er ja sowieso recht gut kann) und könnte sicherlich binnen kürzester Zeit den deutschen Staatshaushalt sanieren. Im Grunde also keine schlechte Idee für ein Sommerloch, diese Beleidigungs-Ahndung. Doch mit der Zeit würden die Parlamentarier sicher beginnen, sich zurückzuhalten. Und dann würde es ja langweilig werden.

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