11. September 2011

Neues aus Berlin – die Zweite

So… hier mal eben noch die neuesten Entwicklungen und Infos aus Berlin.

Diese Woche, direkt nachdem alle Möbel aufgebaut und alle Kartons ausgeräumt waren, durfte ich in meiner neuen Wohnung ja schon Besuch empfangen. Neben einer guten Freundin aus Belgien waren unter anderem Simon, Sören, Sebastian und Stefan (alle mit “S” *g*) von den baden-württembergischen Piraten da. Und so verging die letzte Woche mit noch letzten Besorgungen – und heiteren Monopoly-Abenden.

Gestern dann natürlich der Hauptgrund für die Anwesenheit der Piraten: Die Freiheit statt Angst 2011. Zahlreiche Parteien, Verbände und Gruppierungen hatten Präsenz für eine offenere Gesellschaft, mehr Bürgerrechte und weniger staatliche Überwachung gezeigt. Sogar die Jugendorganisation der vor sich hindümpelnden “Spaßpartei” FDP (“fast drei Prozent”) ließ sich blicken – ging aber zwischen Piraten, Grünen und Linken fast komplett unter. Glück mit dem Wetter hatten wir auch, es war trocken, aber nicht zu warm – und so konnten wir mit ca. 1 Stunde Verspätung einen angenehmen Zug vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz laufen. Dort gab es dann noch ein Abschlussprogramm mit ein paar Rednern und Music-Acts (u.a. Nina Hagen). Ausserdem einen spontanen Flashmob der Piraten zum Infostand der Grünen. Die werte Frau Künast hatte ja angekündigt, uns Piraten “resozialisieren” zu wollen. Also liefen wir da mal geschlossen hin und erkundigten uns, wo man sich denn für das Resozialisierungsprogramm eintragen könne. Die Belegschaft des Grünen-Standes fand das wohl allerdings weniger lustig als wir. Naja, sowas passiert, wenn die eigene Spitzenkandidatin große Sprüche klopft. ;-)

Ironisch wurde es dann am Rand der Abschlusskundgebung, als ein Teil des Alexanderplatzes aufgrund einer herrenlosen Sporttasche kurzfristig von Polizisten abgeriegelt wurde. Das Angebot von Jörg Tauss, er sei ja schon 58 und würde sich anbieten, die Tasche zu entfernen, wurde allerdings abgelehnt. So blieb den Hütern nichts anderes übrig, als mittels einem Roboter die Tasche kontrolliert zu sprengen (!!). Ob die gerüchteweise sich darin befindlichen Socken für einen Giftgasanschlag gereicht hätten, blieb bis zuletzt offen.

Zum Schluss der FsA erregte dann noch ein Stand von Scientology die Gemüter…  einige Anhänger des Pastafarianismus organisierten spontan eine kleine Gegen-Mahnwache.

Die Piraten bei den Grünen (FsA)

Ansonsten war ich die Tage natürlich auch noch viel in Stadt und Umland unterwegs. Dabei dann auch durch Zufall dank Navi über ein superleckeres und günstiges Restaurant in Zeuthen vor den Toren Berlins gestoßen. Durch deren Karte könnte man sich von vorne bis hinten durchessen.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln klappt es langsam auch. Ich finde es zwar immer noch schade, dass es keinen einzigen Plan der BVG gibt, auf dem alle Nahverkehrssysteme (S-Bahn, U-Bahn, Tram, Bus) gleichzeitig eingezeichnet sind. So muss man immer zwischen mehreren Plänen hin- und herswitchen um Umsteigemöglichkeiten zu finden. Aber langsam hab ich mich dran gewöhnt. Und ab morgen fährt bei mir eh erstmal wegen Bauarbeiten für einen Monat keine Tram mehr – Busersatzverkehr bin ich ja noch von Stammheim gewöhnt. ;-)

Was mich allerdings tatsächlich etwas ärgert, ist die Tatsache, dass einer meiner absoluten Lieblingsplätze in Berlin verschandelt wurde. Und zwar genau für den Zeitraum, in dem ich hier wohnen werde. Ich finde die Kombination der alten, ruinösen Gedächtniskirche und des Neubaus derer auf dem Breitscheidplatz einfach supertoll. Besonders im Dunkeln, wenn beides schön beleuchtet wird. Und was sehe ich heute? Der alte Turm wird saniert und ist für ein Jahr (!!) hinter einem potthässlichen Konstrukt aus Plexiglas und Aluminium versteckt! Wer kam auf so eine Idee – und warum gerade jetzt? So ein Mist – ich wollte dort ab und an mal relaxen, mir ein Crêpe schmecken lassen… und nachts den tollen Anblick genießen. Doch mit diesem wolkenkratzerähnlichen Ding wird das nichts. :-(

Hinter diesem komischen "Wolkenkratzergebilde" steckt die alte Gedächtniskirche.

Und morgen gehts nun dann also am Institut los… bin gespannt, was mich dort erwartet. Alles vorbereitet ist von meiner Seite…. schaun mer mal! Und auch, was die kommende Woche sonst so bringt. Zumindest ist auch inzwischen meine bestellte neue Kaffeemaschine da – überleben werd ich also. ;-)

Ui… jetzt fängts an zu gewittern. Ich bin dann mal weg und geh auf den Balkon!

08. Juli 2011

25 Songs, 25 Days – Tag 7

Die erste Woche von “25 Songs, 25 Days” wäre geschafft. Heute der siebte Tag. Und passend zur Zeit wird es sommerlich.

Day 7: A song that reminds you of the past summer

(Tag 7: Ein Lied, das dich an den vergangenen Sommer erinnert)

Grossstadtgeflüster – “Weil das morgen noch so ist”

Da vom vergangenen Sommer die Rede ist und der aktuelle Sommer 2011 noch nicht rum ist, ein Song aus dem Sommer 2010. Jener war ziemlich “piratig”, ich erinnere mich an 2 Camps und mehrere Grillabende. Und auf dem Sommercamp am Achernsee machte ich Bekanntschaft mit diesem Song, der dort mehrfach gespielt wurde. Von Anfang an fand ich ihn absolut cool – und von da an lief er auch bei mir auf Rotation. Den ganzen Sommer durch.

17. Mai 2011

Work & Fun & Politics – der Bundesparteitag 2011.1

Mittwoch, der 11. Mai 2011, Aufbruch zum Bundesparteitag der Piraten in Heidenheim. Warum schon mittwochs? Zusammen mit David “Laird_Dave” Mändlen galt es, eine “Ergänzungsveranstaltung” zu organisieren. Das BPT-Camp im verschlafenen Örtchen Bartholomä, ca. 16 km von Heidenheim entfernt, sollte etwa 90 Piraten Platz zum Nächtigen und Feiern bieten. Den wohl in der näheren Umgebung einzigen Campingplatz hatten wir schon 2 Monate zuvor in Augenschein genommen und für gut befunden. Und wie schon beim letztjährigen Sommercamp Baden-Württemberg schien sich Murphy’s Law zu bewahrheiten. Der Wetterbericht las sich wie folgt: Vor dem Camp sonnig, während dem Camp regnerisch, nach dem Camp Sonne. Jemand spottete in Anlehnung an aktuelle Ereignisse, diese Tatsache sei doch auch nur ein “Stresstest” für die Piraten. Aus den Erfahrungen des Sommercamps belehrt, starteten wir mit einer Ausrüstung, die wohl auch gut für 8 Wochen Afghanistan gereicht hätte. Und mein Auto wurde mal kurzerhand zum LKW umfunktioniert – inklusive Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

Irgendwie piratig dann der Aufbau, nachdem Zelt und Tarp durch den aufbrausenden Wind eher zu Segeln wurden. Und inzwischen wissen wir, dass Albwind auch Gestänge kleinkriegt. Als dann auch noch diverse Heringe ihren Dienst verwehrten, bekam ich dank Laird_Dave eine kleine Kostprobe bayerischer Fluchkanonaden. ;-) Irgendwann stand dann alles – und nachdem wir uns im nahegelegenen Heubach mit Süßwaren, Getränken, örtlichem Bier und sehr leckerem Fleisch eingedeckt hatten, konnte das erste 2-Mann-Grillen losgehen.

Das Zelt der Orgas

In der Nacht tobte sich der Zeltplatzfuchs das erste Mal in unserem Vorzelt aus und erbeutete einige Brötchen. Am Donnerstag schien sich dann der Wetterbericht erstmal zu bestätigen… es schüttete, als hätte Petrus bei sich oben die Klospülung betätigt. Eine kleine Zeltsession war die Folge. Bei dieser Gelegenheit stellten wir fest, dass der Film “Tron” eigentlich extrem dämlich und langweilig ist. Gegen Abend riss die Wolkendecke auf, dem Besprechungsgrillen mit den Hauptorganisatoren des Bundesparteitags stand also nichts mehr im Weg.

Nachts kam wieder der Fuchs. Erstaunlicherweise interessierte er sich diesmal für Brühwürfel (Diät?). Eine handfeste Überraschung erwartete uns dann am Freitag: Sonne! Entgegen aller Voraussagen blieb es den ganzen Tag bei Traumwetter, als ein Großteil der Piratenmeute anreiste. Auch unsere piratische Verpflegungstruppe, die AG Schnittchen erschien auf der Bildfläche…. allerdings mit einer Verspätung, welche die Deutsche Bahn vor Neid erblassen hätte lassen. ;-) Dafür mit zwei Autos voller Equipment und Nahrung. Und es wurde in Folge nur vom Feinsten aufgelegt: eigen mariniertes Rindfleisch, Schweinelachsfilet, gegrilltes Gemüse, Frikadellen, Würstchen. Ein Pirat mit VW Bus hatte eine rollende Bar an Bord und servierte dazu Cocktails. Ein Abend, ideal zum “netzwerkeln” und Piraten in real zu sehen, die man bisher nur aus Twitter oder Mumble kannte. Und der Zeltplatz füllte sich rasch.

Schluss mit lustig dann erstmal am Samstag. Der gestellte Handywecker erinnerte uns daran, dass da ja irgendwo auch noch sowas wie ein Parteitag stattfinden sollte. Noch müde und verkatert vom Abend zuvor quälte sich die Campmeute aus ihren Schlafsäcken. In Fahrgemeinschaften ging es dann runter nach Heidenheim ins ziemlich neue CongressCentrum. Und dies schien dann wohl der professionellste Bundesparteitag bisher zu werden, keine Sporthalle oder Uni-Mensa mehr. Stattdessen ein nobler Veranstaltungssaal mit moderner Technik und Catering. Das Organisationsteam um Marco Geupert hatte ganze Arbeit geleistet. Und lustigerweise liefen tatsächlich manche Piraten mit den Hashtags “#bings” oder “#dings” herum. Diese wurden für den Parteitag populär, den Sinn dahinter hatte ich allerdings bis heute nicht so wirklich verstanden. Die nächste Überraschung kam dann mit dem sehr freundlichen Grußwort des CDU-Oberbürgermeisters Bernhard Ilg. Auch wenn dieser gleich bei der Begrüßung in das Gender-Fettnäpfchen der Piraten trat.

Das übliche Bundesparteitagsproblem ereilte dann kurz nach Beginn auch diesmal das Plenum: Das W-Lan verabschiedete sich kurz und schmerzlos. Erst am zweiten Tag soll es Gerüchten zufolge ab&zu wieder gesichtet worden sein. Woraufhin sich einige Piraten kurzerhand ihre eigenen W-Lans einrichteten – was dem Wiederaufbau der offiziellen Technik wohl ziemlich entgegenlief. Aber das W-Lan war notwendig, denn was nun kam, könnte man am Besten als “Bingen 2.0″ beschreiben. Auf gut deutsch: 2 Tage Vorstandswahl. Allerdings schienen die Meisten aus dem letztjährigen Bundesparteitag am Rhein etwas gelernt zu haben. Die Anzahl unnötiger Geschäftsordnungsanträge bewegte sich angenehmerweise auf einem Minimum. Relativ zügig kam es dann zum erwarteten Showdown zwischen den aussichtsreichen Kandidaten für den Vorsitz Sebastian Nerz und Christopher Lauer. Die anderen Kandidaten waren von vornherein schon fast ohne Chance, fast schon glaubenskriegsähnlich beharkten sich die Nerz- und Lauer-Front schon vor Parteitagsbeginn auf Twitter. Mit einem erstaunlich klaren Ergebnis wurde Sebastian Nerz dann im ersten Wahlgang direkt gewählt – und die beleidigten Lauer-Anhänger grummelten in den Social Networks vor sich hin.

Schock dann am Ende des Tages, als der zuvor ausgewechselte Wahlleiter Nathanael Bienia einen Fehler in der Wahlordnung entdeckte, der eine Anfechtung aller bisherigen Wahlgänge möglich gemacht hätte. Die Stimmung sackte aufgrund der Vorstellung von Neuwahlen innerhalb von Minuten auf den Nullpunkt. Doch ein Passus in der Satzung ermöglichte die nachträgliche Korrektur des Fehlers mittels einer Abstimmung.

Doch wir hatten auch Großes an diesem Tag vor. Das größte politische Gruppenfoto sollte aufgenommen werden, das Ergebnis (62 MB groß!) kann man sich hier herunterladen. Ob wir den angepeilten Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde geschafft haben, weiß ich bis dato leider nicht.

Abends wurde dann auf dem Camp wieder der Grill angeschmissen… hier einmal ganz großen Respekt an die AG Schnittchen, die bei strömendem Regen und Wind, nur mit Taschenlampen im engen Pavillon einen super Verpflegungsjob hingelegt haben und fast 100 Piraten versorgten!

Am Sonntag, dem zweiten Tag der Versammlung wurde dann der Vorstand komplettiert. Und nach einer Spontan-Nominierung durch Sebastian Staudenmaier stand ich dann plötzlich auch selbst auf der Bühne – als Kandidat für den Posten als politischer Geschäftsführer. Wer es während meiner Vorstellung nicht gemerkt haben sollte: JA, ich war nervös. ;-) Zum Amt hat es dann nicht gereicht, aber ich durfte mich über 87 Stimmen (ca. 16%) und einen vierten Platz freuen. Und mit der Wahl von Marina Weisband an meiner Statt kann ich durchaus doch auch ganz gut leben.

Interessanterweise machte irgendwann das Gerücht die Runde, das Catering-Team des CongressCentrums habe sich sehr positiv über uns geäußert… wir wären so ziemlich die disziplinierteste Gesellschaft, die sie bisher gehabt hätten. Und da sag noch jemand, Piraten seien rauhe, ungehobelte Zeitgenossen. Sogar Parteiprogramme wurden von Seiten des Teams angefordert. So tut man auch was für die Außenwirkung.

Der Rest des BPT selbst verlief recht unspektakulär, Bernd Schlömer, René Brosig, Wilm Schumacher, Matthias Schrade und Gefion Thürmer komplettierten nach langwierigen Vorstellungs- und Fragerunden den Bundesvorstand. Damit haben die Piraten doch nun tatsächlich auch 2 Frauen im Vorstand – und das ganz ohne Quotenregelung! Die Wahlen nahmen dann so viel Zeit in Anspruch, dass kein einziger Programmantrag mehr zur Diskussion kam. Als Folge wurde ein Programmparteitag 2011.2 beschlossen. Nach dem Schlusswort des neuen Vorsitzenden Sebastian Nerz und dem Dank an das Orga-Team wurde der Parteitag beendet.

Das Orga-Team

Die meisten Piraten reisten direkt im Anschluss wieder ab, so dass am Abend nur noch 3 Zelte auf dem Camp standen. Montag morgen wurde dann noch gemütlich aufgeräumt (bei Wind natürlich) und kurz vor 13 Uhr reisten Laird_Dave und ich als letzte wieder ab. Glücklich und zufrieden, dass alles fast reibungslos funktioniert hat.

 

Fazit: Mit den Ergebnissen der Vorstandswahl bin ich vollauf zufrieden. Ich denke, wir haben nun eine gut gemischte, handlungsfähige und engagierte Führungsriege. Es werden sich natürlich nun alle an ihren Taten messen lassen müssen – viele Augen werden auf ihnen ruhen. Als sehr schade befand ich, dass programmatische Arbeit wieder einmal nicht möglich war, aufgrund ausgedehnter Wahlgänge.  Dennoch ein angenehmer und vor allem endlich mal wirklich professioneller Parteitag. Das Orga-Team in der Halle hat vorbildliche Arbeit geleistet.

Das Camp war ein voller Erfolg – auch wenn vereinzelte Piraten Stress schoben. Vor allem solche, die sich erst wenige Tage oder sogar Stunden vorher kurzfristigst anmelden und sich dann über Abwicklung, Fahrgemeinschaften oder ähnliches bei der “Scheiß Orga” beschweren. Dieser Terminus wurde übrigens übrigens zu einem Running Gag unter den zufriedenen Camp-Piraten. Das Wetter war schlecht => Scheiß Orga! Der Wecker klingelte zu früh => Scheiß Orga! Und so weiter. :-D Was zeigt: Die überwältigende Mehrheit hatte Spaß auf dem Camp, was sich auch durch die zahlreichen Twitter-Danksagungen am Tag danach ausgedrückt hat.

In diesem Sinne: Bis zum BPT 2011.2 !

 

(Fotos: Korbinian Polk, Tobias Eckrich, Nicolai Fleckenstein)

 

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